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Was bislang geschah

Nachdem Walter die Schläger der Solidar-Invest, die mit aller Härte Baustellen bewachen, mit seinem Messer vertreiben konnte, ist er auf der Suche nach einem Unterschlupf und Unterstützung. Er findet beides bei seinem alten Schulfreund Rudi und dessen Tochter Renate. Gemeinsam stoßen sie auf Disneys Blog und finden so heraus, wo sich die Wohnung befindet, in der Oskar junge Mädchen und wohlhabende Geschäftspartner zusammen eingeladen hat. Die Wohnung ist voll von Arbeiten Disneys.

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Kapitel 7

Ein Brief aus der Gruft

Von der Küche aus gelangt man in einen weiteren Raum. Er ist eine Mischung aus Zigarrensalon und Multimedia-Zimmer. Ledersofas stehen hier, eine Bar mit harten Getränken, eine Musikanlage, ein großer Flatscreen. An den Wänden hängen Disney-Porträts von jungen Mädchen. Walter fühlt sich durchlöchert von sehnsuchtsvollen Blicken aus Bambiaugen. An einer Pinnwand stecken Fotos von Teenies beim Schwimmen, Shoppen, Eislaufen. Eines wurde in dieser Wohnung aufgenommen: Es zeigt Disney, die Eisläuferin vom Nachmittag und ... Walters Tochter Laura. Disney und Laura kannten sich also. Was hat er Walter noch verschwiegen?

Er gießt sich einen doppelten Scotch ein, halb Gold, halb Gift. Mit dem Glas geht er zurück in das andere Zimmer. Er setzt sich auf das Bett und betrachtet das Wandgemälde von Disney genauer. Es ist eine Straßenszene an einer Ecke in Wien: die Kreuzung Mariahilfer Straße und Barnabitengasse mit dem Platz vor der Mariahilfer Kirche. Alle möglichen Freaks und wild-skurille Gestalten treiben sich auf dem Bild herum. The Good, the Bad and the Ugly in Disneys Version. Walter orientiert sich und entdeckt auf dem Wandbild den Eingang zur Gruft. Davor sitzt eine seltsame Gestalt: Es ist ein Affe mit Bischofshut und Stab. Diese Figur – das ist er, Walter. Disney hat sie auf seinen Seesack gemalt (er heißt Bischof mit Nachnamen). Walter steht auf und sieht sich den Affen genauer an. Es sieht aus, als ob er eine Art Umrandung hat, einen quadratischen Rahmen, der sich in etwa mit dem Eingang zur Gruft deckt. Walter holt einen Stuhl aus der Küche und steigt darauf. Jetzt erreicht er den Affen in seinem Rahmen. Er sieht, es ist eine Art Kabelkästchen, das Disney übermalt hat. Walter kann die Plastikverkleidung einfach herunterziehen. Dahinter befindet sich ein Kabelverteiler – und etwas, das dort nicht hingehört: ein Kuvert.

Walter steigt mit dem Umschlag vom Stuhl herunter und setzt sich wieder auf das Bett. In dem Kuvert ist ein Brief. Er ist an Walter gerichtet.

„Lieber Walter! Wenn alles gut ausgegangen ist, sitzen wir beide jetzt zusammen in unserer neuen Wohnung. Und damit meine ich nicht die Absteige in Stammersdorf, sondern ein brandneues Apartment mit Fußbodenheizung, Terrasse und Doppelgarage! Wenn das so ist, wirst du diesen Brief aber gar nicht lesen. Du wirst ihn nur lesen, wenn etwas schief gegangen ist (und du clever genug warst, ihn zu finden).

Das Wichtigste zuerst: Deine Laura ist ein tolles Mädchen. Du kannst echt stolz auf sie sein. Und bitte glaube mir: Als ich sie gezeichnet und wie die anderen in die Wohnung eingeladen habe, wusste ich noch nicht, dass sie deine Tochter ist! Sie hat mir erst später erzählt, dass sie von daheim abgehauen ist, um ihren Papa Walter zu suchen. Da hab ich dann schnell kapiert, dass sie dein Mädel ist. Und dann hatte ich auch genug. Ich hab dem Oskar gesagt, ich mach das nicht mehr für ihn – dass ich all die Mädels anspreche und zeichne und dann zu den Partys einlade, wo Oskars „Geschäftspartner“ zufällig auch anwesend sind und Geschenke verteilen. Da kann er mir so viel Ausstellungen versprechen, wie er will. Stattdessen hab ich ihm gesagt: Der Walter und ich brauchen eine Wohnung, gib uns eine von der Solidar-Invest – sonst erzähl ich, wie die Wohnungen vergeben werden und welche Sauereien da laufen (das hab ich ja alles mitgekriegt bei den Partys!).

Jetzt werden wir sehen, ob wir so zu unserer Traumwohnung kommen! Ich hoffe es sehr! Wenn aber nicht: Dann habe ich dir hier alles aufgeschrieben, was ich bei den Gesprächen der Anzugtypen in der Wohnung so mitangehört habe. Vielleicht sorgst du jetzt dafür, dass diese Sachen aufhören.

Dein Kumpel Disney

PS: Laura hat sich auf keinen von denen eingelassen. Sie ist nicht so.“

Walter überfliegt, was Disney von den Gesprächen in diesen Räumen aufgeschnappt hat. Hätte man dazu auch Beweise, könnte man Oskar, die Solidar Invest und einen Haufen Mittelsmänner locker hochnehmen.

Aber jetzt kommen die Gefühle: Da ist die Erleichterung, dass sich Laura nicht von diesen Männern kaufen ließ. Da ist Trauer um Disney, der sich mit den Falschen angelegt hat und dafür zahlen musste. Und da ist viel Zorn, dass die Schwachen und Verletzlichen wieder die sind, die am unbarmherzigsten ausgenutzt werden: menschlich, geschäftlich, sexuell – einfach in jeder Hinsicht. Walter will so viel unternehmen, damit das aufhört. Aber gleichzeitig weiß er, er muss eines nach dem anderen tun. Und das erste muss sein, Disneys Mörder zu kriegen.

Es läutet an der Tür. Walter erschrickt fast zu Tode und wirft den Scotch um. Er versteinert und hofft, wer immer da draußen steht, verschwindet wieder. Es läutet erneut. Walter schlüpft aus den Schuhen und schleicht zur Eingangstür. Er wirft einen Blick durch das Guckloch – und ist unendlich erleichtert, als er Rudi und Renate sieht. Er öffnet ihnen die Tür und lässt sie herein. Renate beginnt sofort zu schimpfen: „Du machst das auf eigene Faust, geht’s dir noch gut? Wir sind ein Team, Mr. Eastwood! Und jetzt komm, wir haben den Schläger aufgespürt!“

Sie erwarten ihn, als er aus einem Lokal humpelt. Rudi drückt ihm ein Eisenrohr in die Seite, das sich hoffentlich wie eine Pistole anfühlt, Renate hat den Baseballschläger in der Hand, den sie aus seinem Auto geklaut haben, und Walter hat sein altes Schweizermesser gezückt. Sie führen ihn zu einer dunklen Ecke, wo das Verhör beginnen kann. Walter hält ihm das Messer an die Nase: „Die Klinge kennst du schon, du weißt, dass die weh tut! Also gib’s zu, du hast Disney erledigt!“

Der Schläger schüttelt entschieden den Kopf: „Des war I net, im Ernst. Körperverletzung is mein Maximum. Das ist so eine Art Credo von mir. Der war schon hin, wie wir ihn in der Wohnung besucht haben. Es stimmt schon, wir hätten ihm weh tun sollen, aber da war jemand vor uns dran. Und der war ziemlich gründlich. Wir haben ihn dann nur noch in den Park verfrachtet!“

„Das ist doch eine Gschicht!“, knurrt Renate.

„Es stimmt wirklich! Und wir haben was gefunden neben der Leich, ich hab’s in meiner Jackentasche!“

Walter greift in die Tasche des Schlägers. Dort ist ein zusammengeknülltes Blatt Papier. Walter glättet es. Es ist eine von Disneys Mädchenzeichnungen. Darunter hat er ihren Namen geschrieben: Marie.

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Kapitel 7

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