Zum nachlesen

Was bislang geschah

Der Obdachlose Walter kommt den Mördern seines Freundes Disney immer näher! Als er den Rathausbeamten Oskar damit konfrontiert, dass er ihn für Disneys Mörder hält, lässt ihn dieser von zwei Schlägern zu einer Baustelle am Rande Wiens bringen, wo ihm Respekt eingeprügelt werden soll. Dort erfährt Walter, dass die Immobilienfirma Solidar-Invest Brötchengeber der vermummten Schläger ist. Als diese abgelenkt werden, gelingt es Walter, einen von ihnen am Fuß zu verletzen. Sie fliehen vom Tatort.

Mehr

Kapitel 5

Freundschaft

„Grüß euch, Burschen“, sagt Walter, und noch nie fühlte er sich diesen Gestalten so nah wie in diesem Moment. Sie sind seine zerlumpten und gezeichneten Schutzengel, seine wankenden Wächter. Er möchte ihnen ein paar Flaschen Wein ausgeben, aber er hat kein Geld und er weiß auch nicht, wo er welchen herbekäme. „Wohin seid ihr unterwegs?“, fragt er die Männer. Sie schauen sich gegenseitig überrascht an: Entweder sie hatten gar keinen Plan, oder sie haben ihn eben vergessen.

Nach einem langen Marsch zwischen Baustellen hindurch erreichen sie eine U-Bahnstation mit einem Würstelstand, wo noch einiges los ist. Ein paar Euro haben sie noch, ein bisschen etwas schnorren sie sich zusammen. Walter friert, trotzdem trinkt er ein kaltes Gösser. Er denkt an die Wohnung, die Disney und er beziehen wollten: Ihr warmes Nest mit selbstgebackenen Schnitzel, einem gemütlichen Sofa, Fußball im Fernsehen und sauberem Klo. Der Himmel auf Erden. Aber selbst wenn er den Schlüssel schon hätte, er würde nicht mehr einziehen – nicht ohne ihn.

Aber eines ist auch klar: Er braucht jetzt einen Unterschlupf. Wie immer all das zusammenhängt – die Solidar Invest, der Finanzbeamte Oskar, das Mädchen Marie mit ihrem Brief, Disneys Kunst –, da draußen sind jetzt Leute unterwegs, die ihn suchen und erledigen wollen. Für sie ist es, als müssten sie Disney ein zweites Mal umbringen, ist einer weg, kommt ein anderer nach. Einer von Walters Schutzengeln prostet ihm zu und lallt: „Da host a Masn ghobt. Die Schläger san net ziemperlich!“ Walter fragt ihn, was er über sie weiß, und sein Freund erzählt ihm, dass die Kerle mit den Baseball-Schlägern nachts die Baustellen bewachen und brutal gegen Obdachlose vorgehen. „Teifel san des!“ Walter bittet ihn, die Ohren und Augen aufzuhalten, wer die Männer sind und was man sich sonst über sie erzählt.

Am Abend des nächsten Tages – nach einer versoffenen Nacht und einigen Stunden Schlaf in einer Tagesbetreuungsstätte – steht Walter vor einer Reihenhaushälfte am Rosenhügel in Meidling. Er läutet an der Türglocke und nach ein paar Augenblicken öffnet ihm eine junge Frau mit kurzen blonden Haaren, athletischer Figur und Tattoos am Oberarm. Sie trägt eine Trainingshose und ein Tanktop. „Ist der Rudi da?“, fragt Walter.

„N’Moment“, sagt sie, lehnt die Tür wieder an und geht nach hinten ins Haus. Eine Minute später stehen sich Walter und Rudi gegenüber. Rudi, ein kleiner dicker Bundesbahner in Jeans und Norwegerpulli, bleibt der Mund offen stehen. Dann aber ruft er: „Walter, Alter, du siehst aus wie ein Sandler!“

Eine Stunde später sitzt Walter mit einem Tee mit Rum auf Rudis Sofa und ist sich ziemlich sicher, dass es die beste Idee seit Jahren war, seinen alten Schulfreund und dessen Tochter zu besuchen. Er hat ihnen die ganze Geschichte erzählt, von seinem Absturz, wie er auf der Straße gelandet ist, von Disney und allem, was dann passiert ist. „Kann ich ein paar Tage bei euch bleiben?“, hat er gefragt, und Rudi schien sich zu freuen, als hätte sich Angelina Jolie bei ihm einquartiert. Jetzt sitzen sie schon vor dem Computer und recherchieren, was es über die Solidar Invest herauszukriegen gibt. Das Töchterchen heißt Renate und arbeitet – interessant – als Kaufhausdetektivin. Sie fasst zusammen, was sie eben gelesen hat:

„Die Wohnungen, die die S.I. baut, werden allesamt von der Stadt Wien gefördert. Das heißt, sie bekommt Geld dafür, dass die Wohnungen bestimmten sozialen Ansprüchen genügen, zum Beispiel betreutes Wohnen oder Wohnen für Menschen mit Behinderungen et cetera. Auch darf für diese Wohnungen in den ersten zehn Jahren nur ein geringer Mietzins genommen werden, erst danach kann eine Angleichung an den Markt stattfinden.“

„An sich eine gute Sache, vorausgesetzt die richtigen Leute – nämlich die, die eh wenig haben, bekommen diese Wohnungen dann auch!“, sagt Rudi. Walter denkt an Disneys „Kunstagenten“ Oskar, der in der Finanzabteilung der Stadt arbeitet und den lieben lang Tag lang den Fluss der Fördergelder an sich vorbeirauschen sieht ... Klar, dass man da auf falsche Gedanken kommen kann.

Auf der Rückseite eines riesigen Planes des Lainzer Tunnels, den Rudi aus seinen Unterlagen zieht, zeichnet er die Eckpfeiler des Falles auf:

Disney tot im Esterhazy-Park; seine Ex in der Kunsthochschule (Bambiaugen); Erst die bemalte Wand, dann Oskar als Disneys Galerist; der Brief des Mädchens (dasselbe wie am Eislaufplatz?); die Schläger auf der Baustelle; die geförderte Solidar-Invest; der Sponge-Bob-Schal im Donaukanal; die Garconniere, die Oskar Disney angeblich anbot.

Dann legen die drei los: Sie kombinieren, vermuten, verknüpfen, fantasieren. Aber bald erkennen sie, dass dieses Krimi-Sudoku einfach zu viele Freistellen hat. Nach weiterem Grübeln steht Walter auf und verkündet: „Ich würde das Mädchen vom Eislaufplatz wieder erkennen. Aber dazu muss ich zum Rathaus zurück. Wir müssen mich umstylen!“

Rudi klopft seinem Freund auf die Schulter: „Das wollte ich sowieso vorschlagen!“

Renate sagt nachdenklich: "Und wir haben eventuell noch eine zweite Spur: dein vermummter Entführer, Walter - er dürfte eine ganze Weile lang humpeln!"

Preise zu gewinnen:

Mitspielen wird belohnt!

Unter allen teilnehmenden UserInnen wird als Hauptpreis ein tolino tab 8,9“ und wöchentlich ein tolino shine eReader von Thalia verlost. Außerdem bekommt jede(r), der/die sich an der Geschichte beteiligt, einen 10%-Rabatt Gutschein für den Online-Shop Thalia.at.

Kapitel 5

Mit Beiträgen von:

Eingereichte Ideen: