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Was bislang geschah

Der Obdachlose Walter jagt den Killer seines besten Freundes Disney, der erschlagen im Esterhazy-Park gefunden wurde. Die Spur führt über die Freundin des toten Künstlers zu einem dubiosen Magistratsbeamten, der Disneys Kunst gefördert hat. Im Zuge einer Verfolgung kommt Walter an Dokumente aus dem Koffer des Mannes, beobachtet ihn zusammen mit einem jungen Mädchen und sieht schließlich, wie er ein Kleidungsstück von Disney in der Donau entsorgt. Bei einer Konfrontation streitet der Beamte alles ab und lädt Walter zu einem Abendessen in ein Nobellokal ein.

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Kapitel 4

Unter Kränen

Es ist Walters erstes Steak in drei Jahren. Es schmeckt nach zu Hause, nach Grillabenden in seinem Garten, nach seiner Frau und den Kindern, nach Feiern mit den Kollegen und eigentlich allem, was er verloren hat. Also schüttet er sich den Rotwein hinein, um nicht zu plärren, und versucht sich daran zu erinnern, dass er nicht mit einem Freund am Tisch sitzt sondern mit einem Mörder.

Oskar heißt er, der Mörder, der das Essen bezahlt. Er duzt Walter beharrlich und erzählt ihm von Disneys großem Talent. Walter nimmt es ihm nicht ab. Er mochte seinen Freund, aber für einen großen Künstler hielt er ihn nie. Er war auch nicht verwundert, dass sie Disney auf der Kunstschule nicht aufgenommen hatten. Als Walter selbst jung war, hatte er bei den „Giant Dwarfs“ gesungen, einer Garagenrockband in der Nachbarschaft. Walter verließ die Band, als er eine Videoaufnahme ihres großen Auftritts sah – sie waren beschissen. So einen Moment erlebte Disney nicht. Und eigentlich ist Walter froh, dass sein Freund ihn auch nicht mehr erleben würde.

Als Oskar auf die Toilette geht, kramt Walter rasch die Unterlagen hervor, die er aus dem roten Koffer mitgehen ließ. Die meisten Papiere sind Dokumente, die unverdächtig wirken: Rathauskorrespondenz, Sitzungsprotokolle, ... Ein Brief sticht allerdings hervor: Es ist die handschriftliche Nachricht eines Mädchens namens Marie. Sie schreibt, sie könne Oskar nicht mehr treffen, weil ihre Eltern seine Nachrichten auf ihrem Handy gefunden hätten. Sie fragt ihn, ob sie die Klamotten trotzdem behalten könne. Walter denkt an die Eisläuferin. Sein Kopf ist nicht mehr ganz klar, aber jetzt beginnt ihm etwas aufzugehen. Schnell steckt er die anderen Unterlagen wieder in den Koffer, den Oskar unter dem Tisch stehen ließ. Den Brief des Mädchens behält er aber.

Als Oskar vom Klo zurückkommt, scheint seine Freundlichkeit aufgebraucht zu sein. Er drängt darauf zu zahlen und spornt Walter an aufzuessen. „Friss zamm, na hopp!“ Als sie auf der Straße stehen, sagt Oskar ohne Gefühl in der Stimme zu Walter: „Willst du wissen, was mit Disney passiert ist?“ Er deutet ihm mit dem Kopf, ihm zu folgen. Sie gehen um eine Ecke, Walter sieht einen parkenden Lieferwagen, dann spürt er schon die Hände, die ihn an vier Stellen seines Körpers packen und mit großer Kraft und Zielstrebigkeit in den Wagen zerren. Eine Schiebetür schließt sich hinter ihm und der Bus fährt los.

Jemand stülpt Walter einen Kopfkissenbezug über den Kopf. Das ist ja fast wie in der Gruft, denkt er! Es ist eng und es stinkt nach Männern, aber seine Sinne werden besänftigt von dem Geruch frisch gewaschener Wäsche über dem Gesicht. Walter denkt, gerade jetzt entdeckt die Freundin oder Mutter eines dieser Gangster, dass die Wäsche nicht mehr komplett ist, und schüttelt genervt den Kopf.

Sie fesseln Walter die Hände hinter dem Rücken zusammen und legen ihn seitlich auf den Boden. Einer zündet sich eine Zigarette an. Aus der Fahrerkabine hört Walter die Signation der ö3-Nachrichten. Walter weiß, welche Nachricht sie nicht bringen: Penner aus Innenstadt entführt. Er ruft in die Schwärze hinein: „Ich bin ein reicher Mann. Bringt’s mich zu meiner Villa, und ihr kriegt jeder einen Silberlöffel!“ Einer grunzt, ansonsten wird sein Angebot ignoriert.

Nach fünfzehn Minuten bleibt der Wagen stehen und Walter wird hinausgezerrt. Sie schleifen ihn über eine Schotterfläche, dann lehnen sie ihn gegen einen Baum. Einer reißt ihm den Kopfkissenbezug herunter. Sie sind vermummt, Halstuch über dem Gesicht, Kappe, Sonnenbrille. Einer hält einen Baseballschläger. Er beugt sich zu Walter hinunter: „Ich versteh euch Sandler nicht. Was habt’s ihr dagegen, dass hier gebaut wird? A Dach überm Kopf braucht jeder, des müsstet’s doch grad ihr wissen?!“

Jetzt bemerkt Walter die Kräne, die sich ein paar Hundert Meter vor ihm in den Nachthimmel recken. Sie sind in der Nähe irgendeiner Riesenbaustelle.

„Ich hab eigentlich nix gegen neue Wohnungen“, sagt Walter, „ich würd auch eine nehmen, wenn eine übrig bleibt!“

Der Baseballer stupst ihm mit dem Schläger gegen’s Kinn.

„Wien wächst. Aber ohne euch. Gruß von der SOLIDAR-INVEST!“ Er holt aus.

Aus dem Dunkeln hinter Walter wird Gegröle laut. Drei oder vier Betrunkene stolpern dort durch die Nacht. Der Vermummte lässt irritiert den Schläger sinken, wechselt einen Blick mit seinem Partner. Walter nutzt die Chance, er schlüpft mit der rechten Hand aus den gelockerten Fesseln, sie verschwindet in seiner Tasche, und einen Augenblick später rammt er dem Vermummten sein Taschenmesser durch den Sportschuh in den Fuß. Der brüllt vor Schmerz, sein Baseballschläger schießt auf Walters Kopf zu, aber er trifft nur den Baum.

Aus der Gruppe Betrunkener ruft einer zu ihnen herüber: „Bringt’s ihr euch um, oder wos mocht’s ihr?“

Den beiden Prüglern wird es zu gefährlich, sie laufen beziehungsweise humpeln zu ihrem Bus und hauen ab. Vier Männer wanken heillos besoffen auf den Schotter-Parkplatz.

Als sie Walter sehen, staunen sie. Einer sagt: „Du bist’s! Heut schaff ma’s aber alle nimmer in die Gruft!“

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Kapitel 4

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